04.07.2026 – Ein Sommertag, 18 motivierte Teilnehmer*innen und zwei unterschiedliche Lebensräume bildeten den Rahmen für die diesjährige Viel-Falter-Exkursion im Naturpark Kaunergrat. Der Naturpark Kaunergrat zählt zu den schmetterlingsartenreichsten Regionen Tirols und zeichnet sich durch seine Vielfalt an Lebensräumen – von trockenwarmen Felshängen bis hin zu wertvollen Moorlandschaften – aus.
Die Teilnehmenden brachten großes Interesse und teils beeindruckendes Vorwissen mit. Neben langjährigen Freiwilligen aus Tirol, Oberösterreich und Vorarlberg, nahmen auch neue Interessierte sowie Studierende teil. Einige reisten sogar bereits am Vortag an, um die Gegend in vollen Zügen genießen zu können. Begleitet wurde die Exkursion von den Viel-Falter-Expert*innen Friederike Barkmann und Johannes Rüdisser . Dokumentiert wurde der Tag von Filmemacherin Brooke Raines.
Die Exkursion führte zu zwei ökologisch unterschiedlichen Standorten. Am Vormittag standen die Fließer Trockenhänge auf dem Programm, am Nachmittag das Piller Moor. Gerade diese gegensätzlichen Lebensräume versprachen eine große Vielfalt an Schmetterlingsarten. Die südexponierten Hänge zählen zu den wärmsten Standorten Tirols und beherbergen zahlreiche trockenheitsliebende Pflanzen- und Tierarten. Dank der extensiven Bewirtschaftung konnten sich hier wertvolle Trockenrasen erhalten, die einen idealen Lebensraum für viele spezialisierte Schmetterlingsarten – unter anderem auch dem Apollofalter – darstellen. Gleichzeitig befindet sich hier auch eine offizielle Monitoringfläche des Viel-Falter-Projekts, die regelmäßig im Rahmen des Schmetterlingsmonitorings erhoben wird.

Schon nach kurzer Zeit wurden zahlreiche Arten entdeckt, gekeschert und gemeinsam bestimmt. Dabei blieb genügend Zeit, um die Merkmale der einzelnen Arten zu vergleichen, ihre Lebensweise zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen. Wie erhofft konnten typische Bewohner trockener Standorte beobachtet werden, darunter der Ockerbindige Samtfalter (Hipparchia semele), der Rote Scheckenfalter (Melitaea didyma) und als besonderes Highlight der zuvor erwähnte Apollo (Parnassius apollo). Der selten gewordene Apollo zählt zu den bekanntesten und zugleich den am strengsten geschützten Tagfaltern Europas. Er ist nicht nur nach der FFH-Richtlinie sondern auch nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. Sein Vorkommen setzt struktur- und blütenreiche Berglebensräume voraus, in denen ausreichend Fetthennen (Sedum) als Nahrungspflanzen für die Raupen vorkommen. Sein Auftreten gilt als Hinweis für naturnahe und gut erhaltene Lebensräume. Auch einige Nachtfalter ließen sich beobachten, darunter die Gammaeule (Autographa gamma) sowie der Goldzünsler (Pyrausta aurata). Ein besonderes Highlight abseits der Schmetterlinge war außerdem die Beobachtung mehrerer Wiedehopfe (Upupa epops).
Später wechselte die Exkursion zum Piller Moor. Untersucht wurden dort sowohl das intakte Hochmoor als auch Bereiche ehemaliger Torfstiche. Moore sind wertvolle und zugleich empfindliche Lebensräume und beherbergen zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Auch hier konnten besondere Schmetterlingsarten nachgewiesen werden. Besonders erfreulich waren Bebachtungen des Hochmoor-Gelblings (Colias palaeno) und des Hochmoor-Bläulings (Plebejus optilete). Ein weiterer Höhepunkt war der Thymian-Ameisenbläuling (Phengaris arion). Obwohl diese Art vor allem trockene, blütenreiche Magerrasen bevorzugt, kommt sie auch an geeigneten Randbereichen von Mooren vor. Bekannt ist sie für ihren außergewöhnlichen Lebenszyklus: Nach einer ersten Entwicklungsphase an Thymianpflanzen verbringen die Raupen einen Großteil ihrer Entwicklung in Nestern bestimmter Ameisenarten, von denen sie versorgt werden. Aufgrund dieser hochspezialisierten Lebensweise ist die Art selten und europaweit streng geschützt.


Insgesamt konnten während der Exkursion 24 Tagfalter- und drei Nachtfalterarten bestimmt werden. Zusätzlich zu den erwähnten Besonderheiten wurden auch zahlreiche häufigere Arten beobachtet, darunter das Große Ochsenauge (Maniola jurtina), das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) und der Baumweißling (Aporia crataegi).
Neben der Artenbestimmung bot die Exkursion viel Raum für Gespräche über Schmetterlinge, ihre Lebensräume sowie Beobachtungen und Erfahrungen aus den unterschiedlichen Heimatregionen der Teilnehmenden. Der fachliche Austausch und das gemeinsame Entdecken standen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Freude an der Natur. Am Ende des sonnigen Tages blickten alle auf eine erkenntnisreiche und inspirierende Exkursion zurück. Die Vielfalt der beobachteten Arten, die unterschiedlichen Lebensräume und die zahlreichen Gespräche zeigten eindrucksvoll, wie gemeinsames Naturerleben und wissenschaftliche Beobachtung einander bereichern können.





