Großes Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia)
Merkmale
Das Große Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia) erreicht eine Flügelspannweite von etwa 26–40 mm. Die Färbung ist insgesamt sehr variabel. Die Flügeloberseite der Männchen ist meist ockerfarben mit einem abgesetzten gräulich-braunen Rand. Die Weibchen wirken eher gelblich-orange, ohne deutlich abgegrenzten Rand. Bei beiden Geschlechtern ist die Zeichnung relativ schlicht; Augenflecke sind meist nur undeutlich ausgeprägt (bei den Männchen können sie etwas deutlicher hervortreten). Die Grundfarbe der Flügelunterseite reicht von grünlichgrau bis rotbraun. Auf beiden Flügelpaaren finden sich schwarz wirkende, hell umrandete Augenflecken mit weißlichem Kern; ihre Zahl und Größe sind stark variabel und reichen von deutlich ausgeprägt bis fast fehlend. Auf den Hinterflügeln ist am Vorderrand eine weiße, teils unterbrochene Binde erkennbar. Der Saumstreifen ist grau und zeigt keinen silbrigen Glanz.

Verwechslungsmöglichkeit
Verwechslungen sind insbesondere mit dem Rotbraunen Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion) und dem Kleinen Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) möglich.
Gegenüber dem Kleinen Wiesenvögelchen wirkt das Große Wiesenvögelchen in der Regel größer und kühler getönt. Für die Bestimmung ist vor allem die Flügelunterseite hilfreich: Beim Kleinen Wiesenvögelchen sind die Augenflecke auf der Hinterflügelunterseite meist nur schwach angedeutet. Auf der Flügeloberseite besitzt das Rotbraune Wiesenvögelchen eine eher kastanienbraune Färbung. Ein weiteres Merkmal ist der Saumstreifen der Hinterflügel: Beim Großen Wiesenvögelchen ist er grau, während ähnliche Arten oft einen schmal orangefarbenen Saum und silbrige Randbinden zeigen. Auch der typische Moor- und Feuchtlebensraum ist für die Bestimmung nützlich, da das Große Wiesenvögelchen deutlich stärker an nasse Moore und Feuchtflächen gebunden ist. Da Färbung und Zeichnung innerhalb der Art sehr variabel sind, ist eine sichere Unterscheidung ohne Genitaluntersuchung nicht immer möglich.
Nahrung der Raupe
Die Raupen fressen vor allem an Wollgrasarten (Eriophorum spp.), Weißem Schnabelried (Rhynchospora alba) und Seggen-Arten (Carex spp.). Seltener nutzen sie auch weitere Süßgräser (Poaceae) und Sauergräser (Cyperaceae), z. B. Schwingelarten (Festuca), Blaugras (Sesleria), Seggen (Carex) und Schnabelbinsen (Rhynchospora).
Lebensraum
Das Große Wiesenvögelchen ist eine typische Art von Mooren und nassen Heiden, vor allem von wollgrasreichen Nieder- und Übergangsmooren, nassen, ungedüngten Moorwiesen und -weiden, außerdem von moorigen Heideflächen und anderen dauerhaft feuchten, nährstoffarmen Offenlandbereichen. Hochmoore werden regional ebenfalls genutzt, besonders die Rand- und Übergangsbereiche sowie Niedermoor-Komplexe. Die Flächen sind dabei höchstens als Streuwiesen genutzt oder nur sehr extensiv beweidet. Die Art kommt bis etwa 1800 m vor.
Flugzeit als Falter
Die Art fliegt in einer Generation pro Jahr (univoltin), von Mai bis August, regional und je nach Höhenlage auch etwas früher oder später.
Wie überdauert die Art den Winter?
Die Überwinterung erfolgt als Raupe tief in der Vegetation, meist in dicken Grasmatten.
Lebensweise und Interessantes
Das Große Wiesenvögelchen fliegt oft schon bei eher kühlem, trübem Wetter, solange die Temperatur ausreichend hoch ist. Charakteristisch ist, dass sie in Ruhe fast immer mit geschlossenen Flügeln sitzen.
Die Art kommt in Europa, Asien und Nordamerika vor. In Europa ist sie eng an geeignete Moorlebensräume gebunden und daher oft nur lokal verbreitet. Viele Populationen sind räumlich voneinander isoliert, da die Art nur selten zwischen weit auseinanderliegenden Moorflächen wandert.
Zu den Hauptgefährdungen zählen vor allem der Verlust von Feuchtgebieten und Mooren durch Entwässerung, Torfabbau und die Zerschneidung von Moorhabitaten. Auch Eutrophierung, Aufforstung und Verbuschung – unter anderem infolge der Aufgabe der traditionellen Streuwiesennutzung – gefährden die Art. Lokal sind die Bestände bereits stark zurückgegangen oder verschwunden.
In Österreich wird Coenonympha tullia derzeit als gefährdet (VU – Vulnerable) eingestuft.
Bestandsentwicklung
Die Bestandsentwicklung wurde basierend auf den im Viel-Falter Monitoring erhobenen Daten berechnet. Hier kannst du nachlesen, wie genau die Berechnung funktioniert.


