Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae)

Merkmale

Der Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) erreicht eine Flügelspannweite von etwa 30–40 mm. Die Flügeloberseite ist bei beiden Geschlechtern einheitlich dunkelbraun gefärbt. Es besteht ein deutlicher Sexualdimorphismus: Die Männchen zeigen nahe dem Ansatz der feinen Hinterflügelzipfel zwei kleine orange Flecken, während die Weibchen auf dem Vorderflügel die charakteristischen großen, orangefarbenen Nierenflecken tragen und insgesamt größer sind. Die Flügelunterseite ist bei beiden Geschlechtern hell gelbbraun gefärbt und zeigt entlang des Außenrandes eine orange Tönung. Quer über Vorder- und Hinterflügel verläuft eine keilförmige Binde, die durch feine weiße und schwarze Linien abgegrenzt ist.

Weitere Details und Fotos beim Lepiforum.

Nierenfleck-Zipfelfalter - Thecla betulae
Foto: Susanne Barkmann

Verwechslungsmöglichkeit

Der Nierenfleck-Zipfelfalter ist kaum zu verwechseln und gut durch den deutlich ausgeprägten nierenförmigen orangen Fleck der Weibchen und der charakteristischen Zeichnung der Flügelunterseite zu erkennen. Zudem fehlt ihm die blaugraue oder graubraune Grundfärbung, die für einige Zipfelfalter (Satyrium)-Arten typisch ist.

Nahrung der Raupe

Die Raupen ernähren sich von verschiedenen Prunus-Arten, vor allem von Schlehe (Prunus spinosa), daneben auch von Pflaume (Prunus insititia), Zwetschke (Prunus domestica), Traubenkirsche (Prunus padus) und Süßkirsche (Prunus avium).

Lebensraum

Der Nierenfleck-Zipfelfalter besiedelt Waldränder, Streuobstwiesen, Obstgärten, Grünanlagen sowie strukturreiche offene Landschaften mit Gebüschen und Hecken. Die Art kommt überwiegend in tieferen Lagen vor, meist unterhalb von 1000 m, nur vereinzelt bis etwa 1600 m.

Flugzeit als Falter

Der Nierenfleck-Zipfelfalter ist eine spät fliegende Art. Er ist univoltin (eine Generation pro Jahr). Die Falter schlüpfen meist von Ende Juni bis Ende Juli, werden jedoch erst ab September aktiv und fliegen bis Oktober, die Weibchen gelegentlich sogar bis Anfang November.

Wie überdauert die Art den Winter?

Die Art überwintert im Eistadium. Die Eier werden im Sommer an Zweigen der Futterpflanzen abgelegt und verbleiben dort bis zum nächsten Jahr.

Lebensweise und Interessantes

Der Nierenfleck-Zipfelfalter wird auch Birken-Zipfelfalter genannt. Er hält sich bevorzugt im Kronenbereich von Sträuchern und kleinen Bäumen auf und wird dadurch häufig übersehen. Die Falter saugen bevorzugt an Honigtau von Blattläusen sowie an überreifem Obst. Die Puppe wird von der Schwarzen Wegameise (Lasius niger) versorgt.

Die Raupen schlüpfen im Frühjahr synchron zum Knospenaufbruch bzw. beginnenden Blattaustrieb der Futterpflanzen. Solche phänologischen Abstimmungen können durch den Klimawandel aus dem Takt geraten (z. B. wenn Larvenentwicklung und Austrieb unterschiedlich stark auf warme Frühjahre reagieren).

Die Art reagiert empfindlich auf den Verlust von Hecken, Feldgehölzen und Streuobstbeständen. Intensive Landschaftspflege, der Einsatz von Düngern und Pestiziden, Flurbereinigung, das Entfernen von Schlehenhecken sowie die fortschreitende Strukturverarmung der Kulturlandschaft führen lokal zu Bestandsrückgängen.

In Österreich wird Thecla betulae derzeit in der Roten Liste in der Vorwarnstufe (NT – Near Threatened) geführt.

Bestandsentwicklung

Die Bestandsentwicklung wurde basierend auf den im Viel-Falter Monitoring erhobenen Daten berechnet. Hier kannst du nachlesen, wie genau die Berechnung funktioniert.

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