Schmetterlinge zu bestimmen kann auf den ersten Blick einem Rätsel gleichen – mit etwas Übung wird es leichter. Für eine sichere Bestimmung kommt es oft auf feine Unterschiede der Merkmale an: Punktreihen, Saumlinien oder deren Vorkommen in typischen Lebensräumen. In diesem Glossar erklären wir wichtige Fachbegriffe zur Morphologie der Falter sowie zu Ökologie, Entwicklung und Verhalten – kurz, verständlich und passend zu unseren Faltersteckbriefen.
Morphologie der Schmetterlinge
Abdomen (Hinterleib)
Hinterer Körperteil; oft bei Geschlechtern unterschiedlich kräftig
Analwinkel
Ecke am Hinterflügel nahe Innenrand
Apex (Flügelspitze)
Vorderste Spitze des Vorderflügels; Form (spitz/abgerundet) kann art-typisch sein
Augenfleck (Ocellus)
Ringförmige Zeichnung mit „Pupille“; Anzahl/Größe/Farbe oft wichtig
Außenrand
Äußerer Flügelrand; hier liegen Saum, Fransen und Randzeichnungen
Basalbereich
Flügelbereich nahe der Flügelbasis (am Körper)
Basalfleck
Fleck nahe der Flügelbasis
Behaarung
Dichte/ Farbe der Körperbeschuppung (v. a. am Thorax) kann auffallen
Bestäubung der Flügel
Feine, „pudrige“ Farbauflage durch Schuppen (z. B. bläuliche Bestäubung)
Binde
Band aus Farbe/Flecken quer über den Flügel (z. B. Mittelbinde oder Saumbinde)
Diskalbereich
Zentraler Bereich mit/um die Zelle herum, siehe Zelle
Diskalfleck
Fleck im zentralen Flügelfeld (nahe Flügelmitte), oft arttypisch
Diskoidal
In der Mittelzelle des Flügels
Diskoidalzelle
Wird als „Zelle“ bezeichnet, siehe Zelle
Distal
Von der Körpermitte am weitesten entfernt
Dorsal
Auf dem Rücken
Duftschuppen
Spezialisierte, meist auffällig gefärbte oder geformte Schuppen (Androconien), die Duftstoffe (Pheromone) abgeben für die Partnerfindung
Duftschuppenfleck
Ansammlung von Duftschuppen
Facettenauge
Komplexauge der Falter; selten als Bestimmungsmerkmal
Fransen
Schuppenrand am Flügel; einfarbig oder gescheckt (abwechselnd hell/dunklen Abschnitten)
Fühlerkeule
Verdicktes Fühlerende (typisch für Tagfalter)
Genitalapparat
Geschlechtsorgane, mittels Genitaluntersuchung können artspezifische Ausformungen ein wichtiges Bestimmungsmerkmal sein
Hinterwinkel
Ecke am Vorderflügel nahe Innenrand
Innenrand
Rand des Flügels zur Körperseite hin
Irisierend / schillernd
Je nach Lichteinfall wechselnde Farbe / Glanz
Kernfleck, gekernter Fleck
Dunkler Mittelpunkt in einem helleren Fleck (z. B. in Randflecken)
Marginalbereich der Flügel
= direkt am Außenrand; submarginal = knapp innen davor
Medianbinde
Binde ungefähr durch die Flügelmitte
Mondflecke
Mond-/halbmondförmige Flecke in einer Reihe (z.B. Randmonde)
Palpen
Paarige Anhänge an den Mundwerkzeugen, dienen als Sinnesorgane (Taster)
Postdiskalzone
Bereich außerhalb der Zelle Richtung Außenrand
Punktreihe
Reihe einzelner Punkte; Vollständigkeit/Abstand zum Rand ist oft entscheidend
Randbinde
Zeichnungs- oder Farbbereich am Außenrand der Flügel
Randmonde
Halbmondförmige Zeichnung direkt vor dem Außenrand
Saum
Randnaher Bereich am Außenrand der Flügel (z. B. dunkler Saum)
Saumlinie
Dünne Linie direkt am Außenrand (meist innen vor den Fransen)
Schuppen
Mikroskopische „Plättchen“ auf Flügeln und Körper, die Farbe/Glanz erzeugen
Sexualdimorphismus
Männchen und Weibchen unterscheiden sich (Farbe, Zeichnung, Größe)
Submarginalzone
Zone direkt vor dem Außenrand (häufig mit Punktreihen oder „Monden“)
Tarsen
Fußglieder
Thorax (Brust)
Mittlerer Körperabschnitt an dem Flügel und Beine ansetzen, oft behaart
Vorderrand (Costalrand)
Oberer Rand des Vorderflügels vom Körper zur Spitze
Würfelzeichnung
Mosaikartige Zeichnung aus hell/dunkel wirkenden „Kästchen“
Zelle (Diskalzelle, Diskoidalzelle)
Großes, von Adern begrenztes Feld im mittleren Flügelbereich nahe der Basis
Zipfel / Schwänzchen
Fortsatz am Hinterflügelrand; Form/Länge/Anzahl können bestimmen helfen
Die Welt der Schmetterlinge (Ökologie, Entwicklung und Verhalten)
Ameisenwirt
Ameisenart, die mit dem Ei oder der Raupe interagiert (bewacht/füttert/transportiert)
Biotop
Lebensraumtyp, in dem eine Art vorkommt (z. B. Magerrasen, Moor, Waldsaum)
Biozönose
Lebensgemeinschaft; verschiedene Tier- und Pflanzenarten leben in Wechselbeziehung innerhalb eines Biotops
Brache
Flächen, die landwirtschaftlich jährlich nur einmal oder gar nicht genutzt werden
Charakterart
Art die typisch für einen bestimmten Lebensraum ist
Diapause
Entwicklungspause (z. B. im Ei oder als Puppe), gesteuert durch Tageslänge/Temperatur
Entwicklungsstadien
Ei → Raupe → Puppe → erwachsener Falter (Imago)
Endemisch
Art kommt ausschließlich in einem begrenzten Gebiet vor
Eutrophierung
Zustandsänderung durch das Ausbringen von Nährstoffen die oft zu Veränderungen auf Lebensräumen führt (Düngung)
Extensive Bewirtschaftung
Geringe Nutzungsintensität (wenig Dünger, seltene Mahd, moderate Beweidung)
Feuchtgebiet
Gebiet mit andauernder oder zeitweiser Bodenfeuchte/Nässe; Feuchtbiotop (Moore, Feuchtwiesen)
Flora-Fauna-Habitat Richtlinie
EU-Naturschutzrichtlinie zum Schutz bestimmter Lebensräume sowie wildlebender Tier- und Pflanzenarten; bildet zusammen mit der Vogelschutzrichtlinie die Grundlage von Natura 2000. Je nach Anhang gelten unterschiedliche Schutz- und Maßnahmenpflichten (z. B. Anhang II: Schutzgebiete/Erhaltungsmaßnahmen; Anhang IV: streng geschützte Arten)
Flugzeit
Zeitraum, in dem die adulten Falter fliegen (z. B. Mai–Juli)
Futterpflanze
Pflanze, an der die Raupe frisst (nicht zwingend dieselbe wie Nektarpflanzen). Siehe auch: monophag/oligophag/polyphag
Generalist
Art, die wenig Ansprüche stellt und in einem breiten Spektrum vorkommt
Generation
Nachkommen innerhalb einer Abstammungslinie; bei Insekten oft: eine vollständige Entwicklungsrunde (Ei–Raupe–Puppe–Imago) innerhalb eines Jahres
Habitat
Ort an dem Individuen oder Populationen vorkommen
Halbtrockenrasen
Geschlossene, ungedüngte, wiesenähnlicher Standort; durch Mahd oder Beweidung entstanden
Hill-Topping
Gipfelbalz; Ansammlung auf Bergkuppen oder Landschaftserhebungen zur Paarung
Hochmoor
Regenwassergespeistes (ombrotrophes) Moor; sehr nährstoffarm und sauer, torfbildend v. a. durch Torfmoose, meist leicht aufgewölbt („hoch“). Siehe auch: Niedermoor
Höhenstufen
Kollin: Tiefland/Beckenlagen, warm
Montan: Bergwaldstufe
Subalpin: oberer Bergwald / Waldgrenze, Krummholz
Alpin: oberhalb der Waldgrenze, baumfrei (Matten/Schutt)
Nival: Schnee- und Felszone, kaum Vegetation
Hygro-Thermophil
Gleichzeitig feuchtigkeits- und wärmeliebend
Hygrophil
Feuchtigkeitsliebend
Intensive Bewirtschaftung
Hohe Nutzungsintensität (häufige Mahd, hoher Viehbesatz, hoher Nährstoffeintrag, Düngung) führt zu starken Veränderungen des Lebensraumes
Magerstandort
Nährstoffarmer Standort; kaum oder nicht gedüngt, jährlich meist nur eine Mahd = Magerwiese oder nur eine Beweidung = Magerweide
Mehrbrütig
Art mit mehreren Generationen pro Jahr
Metamorphose
Entwicklung eines Insekts über mehrere Stadien
Monophag
Art frisst nur eine bestimmte Pflanzenart (oder sehr eng begrenzt)
Morphologisch
Betrifft das äußere Erscheinungsbild
Myrmekophil
In Gemeinschaft mit Ameisen lebend; z.B. Bläulings-Raupen geben oft zuckerhaltige Sekrete ab und erhalten Schutz/Versorgung
Naturnahe Landschaft
Anthropogen nur geringfügig beeinflusste Landschaft
Nektarpflanze
Blütenpflanze, an der erwachsene Falter Nektar aufnehmen
Niedermoor
Grund- bzw. mineralbodenwassergespeistes (minerotrophes) Moor; meist in Senken/Quellbereichen, oft artenreicher als Hochmoore (synonym: Flachmoor). Siehe Hochmoor
Ökoton
Übergangszone zwischen Lebensräumen (z. B. Wald–Wiese); oft besonders artenreich
Ökosystem
Wechselbeziehungen von Lebewesen untereinander und mit ihrem Lebensraum
Oligophag
Raupe frisst wenige, nahe verwandte Pflanzenarten
Parasit
tierischer oder pflanzlicher Schmarotzer; Lebewesen, das aus dem Zusammenleben mit anderen Lebewesen einseitig Nutzen zieht, die es oft auch schädigt oder Krankheiten hervorrufen kann
Phänologie
Jahreszeitliche Abstimmung von Schlupf, Austrieb, Blüte und Flugzeit
Pheromon
Botenstoff, der zur Kommunikation innerhalb einer Art dient. Von speziellen Drüsen gebildet
Polymorph
Vielgestaltig
Polyphag
Raupe frisst viele verschiedene Pflanzenarten
Population
Gesamtheit aller Individuen einer Art, die zur gleichen Zeit in einem abgrenzbaren Gebiet leben und sich untereinander fortpflanzen (Fortpflanzungsgemeinschaft)
Präimaginalstadien
Entwicklungsstadien vor dem Imago (Ei, Raupe, Puppe)
Restriktion
Art kommt nur in eingeschränkter Region vor
Rohbodenstelle
Offene, weitgehend vegetationsfreie Bodenfläche (Mineralboden), z. B. durch Tritt, Erosion oder Bodenstörung entstanden
Rote Liste
Verzeichnis mit Gefährdungseinstufungen von Arten (z. B. regional/national), basierend auf Kriterien. Regional (z.B. für Tirol) oder für ganz Österreich
Ruderalstandort
Durch Störung geprägter Standort (z. B. Schuttflächen, Wegränder, Bahndämme, Baustellen), meist nährstoffreich (können aber auch nährstoffarm sein) und von Pionierpflanzen besiedelt
Runsen
Steile, rinnenförmige Erosions- und Abflussbahnen am Hang, die durch Wasserabfluss, Muren oder Lawinen immer wieder freigeräumt werden und deshalb oft schuttig sowie vegetationsarm sind
Saisondimorphismus
Unterschiede in Gestalt, Größe oder Färbung der verschiedenen Generationen (innerhalb eines Jahres) einer Art
Saum
Übergangszone zwischen Gehölz und Offenland mit höherwüchsiger Randvegetation (z. B. Waldsaum); oft blüten- und strukturreich. Besonders artenreich sind sonnige, ungedüngte (thermophile) Säume
Sitzwarte
Bevorzugter Ansitz (Stein, Ast, Halme), von dem aus Männchen patrouillieren
Somatolyse
Somatolytische Zeichnung; Form der Tarnung („Gestaltauflösung“): Ein Zeichnungsmuster, das die Umrisse auflöst (z. B. Streifen/Flecken an Rändern), statt eine klare Kontur zu betonen
Störstellen
Kleinflächige Lücken in der Vegetationsdecke durch Tritt, Erosion oder Bodenbearbeitung; schaffen Rohboden und Pionierstandorte
Streuwiese
Extensiv genutzte Feuchtwiese, die meist nur einmal spät im Jahr gemäht wird; das Mähgut („Streu“) wurde traditionell als Einstreu im Stall verwendet
Strukturreich
Viele Kleinstrukturen (Saum, lichte Stellen, Gebüschinseln, unterschiedliche Wuchshöhen)
Subspezies (ssp.)
Unterart
Sukzession
Natürliche, schrittweise Veränderung des Lebensraums/ -gemeinschaft (z. B. von Rohboden über Pionierfluren zu Gebüsch/Wald), wenn die Nutzung oder Störung ausbleibt
Symbiose
das Zusammenleben von Lebewesen verschiedener Art mit gegenseitigem Nutzen: Schmetterling lebt mit anderer Art zusammen (z. B. manche Bläulinge mit Ameisen)
Syntop
Am gleichen Ort (im selben Biotop/Mikrohabitat) vorkommend; bezeichnet Arten, die räumlich zusammen auftreten (nicht zwingend zur gleichen Zeit)
Territorialverhalten
Männchen verteidigen aktiv Sitzwarten/Flugreviere
Thermophil
Wärmeliebend, meist sonnige Standorte
Tree-Topping
Wipfelbalz; Balz-/Partnerfindeverhalten: Manche Arten sammeln sich an Baumkronen (oft an einzelnen exponierten Bäumen) als Treffpunkt zur Paarung – ähnlich dem Hilltopping, nur am höchsten Punkt der Vegetation
Trockenrasen
Trockener, nährstoffarmer, meist sonniger Grasland-Lebensraum auf flachgründigen Böden (oft kalkreich), geprägt von lückiger Vegetation und vielen Wärme-/Trockenheitsarten; entsteht und bleibt durch extensive Nutzung (Beweidung/Mahd) erhalten
Trophiestufen
Grad an verfügbaren Nährstoffen (v. a. Stickstoff/Phosphor) in einem Ökosystem
Oligotroph = Nährstoffarm
Mesotroph = Mäßig nährstoffreich
Eutroph = Nährstoffreich
Hypertroph = Übermäßig nährstoffreich
Ubiquist
Sehr anpassungsfähige Art, kommt mit verschiedensten Lebensräumen zurecht
Valenz
Ökologische Valenz; Toleranzbereich einer Art gegenüber einem Umweltfaktor (z. B. Temperatur, Feuchte, pH)
Stenök = Geringe Valenz, enger Toleranzbereich, Spezialist
Euryök = Hohe Valenz, breiter Toleranzbereich, Generalist
Ventral
Bauchseitig
Verbuschung
Zunahme von Sträuchern/Gehölzen, kann Offenlandarten verdrängen
Verpuppung
Übergang der Raupe zur Puppe (oft an/unter Pflanzen, im Boden oder in Gespinsten)
Voltinismus
Anzahl der Generationen pro Jahr bei einer Art
Univoltin = Eine Generation pro Jahr
Bivoltin = Zwei Generationen pro Jahr
Multivoltin = Mehrere Generationen pro Jahr
Wanderfalter
Art, die regelmäßig weite Strecken zurücklegt und ihr Auftreten je nach Jahr oder Region stark verlagert (Zug-/Wanderbewegungen). Z. B. ohne Überwinterung als Falter in Mitteleuropa und oft mit mehreren aufeinanderfolgenden Generationen entlang der Zugroute
Xerotherm
Trockenwarme Lebensbedingungen


